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Archiv für die 'Ausbildung' Kategorie

Broschüre „Kulturelle Vielfalt in Handwerksbetrieben – Gute Tipps für Ausbilder“ erschienen

Montag 16. April 2012 von admin

Das Handwerk hat sich in den letzten Jahren im Integrationsbereich besonders positiv hervorgetan. Doch auch wenn viele Meister gerade Jugendlichen mit Migrationshintergrund eine Chance auf eine Ausbildung bieten, fühlen sie sich bei Konflikten und Problemen häufig allein gelassen und können Potenziale, wie Mehrsprachigkeit und Interkulturalität, nicht ausreichend ausschöpfen.
Die gerade erschienene Broschüre „Kulturelle Vielfalt in Handwerksbetrieben ? 10 Tipps für Ausbilderinnen und Ausbilder“ möchten konkrete und praktische Tipps für den Umgang mit kultureller Vielfalt in kleinen und mittleren Unternehmen geben.
Die Broschüre wurde im Rahmen des Projektes XENOS ILT („Interkulturelle Lehrstellentandems zur Stabilisierung von Ausbildungsverhältnissen im Handwerk“) entwickelt und von Betriebsinhabern im Handwerk erprobt. Sie beinhaltet konkrete Tipps für die Praktiker vor Ort.

Download: ilt_broschuere_tipps_fuer_ausbilder_Endfassung
 
Ansprechpartnerin:
Nicole Fandrich, ZWH
Tel: 0211 / 30 20 09 – 18
nfandrich@zwh.de

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Bildungsministerin Schavan und BIBB-Präsident Esser sehen positive Entwicklung am Ausbildungsstellenmarkt

Dienstag 20. September 2011 von mschuette

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) rechnen trotz doppelter Abiturjahrgänge und der Aussetzung der Wehrpflicht in diesem Jahr mit einer aus Sicht der Jugendlichen weiter deutlich verbesserten Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt. Dies erklären Bundesbildungsministerin Annette Schavan und BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser auf einer gemeinsamen Pressekonferenz zum Auftakt des 6. BIBB-Berufsbildungskongresses am Montag in Berlin.

BIBB-Präsident Esser: “Den Beratungs- und Vermittlungsdiensten wurden bis Ende August rund 50.000 betriebliche Ausbildungsstellen mehr gemeldet als im Vorjahreszeitraum. Die positiven Signale lassen uns auf eine deutliche Steigerung der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge hoffen.” Schavan und Esser gehen übereinstimmend davon aus, dass auch die Zahl der Jugendlichen, die sich in diesem Jahr vergeblich um einen Ausbildungsplatz bemühen, deutlich sinken wird. Ein “Wermutstropfen” in der zu erwartenden “guten Bilanz” blieben aber die wachsenden Rekrutierungsprobleme der Betriebe, die sich voraussichtlich in einer deutlichen Steigerung der Zahl der Ausbildungsstellen niederschlagen werde, die die Betriebe nicht besetzen können.

“So günstig wie jetzt war die Lage für junge Leute auf dem Ausbildungsmarkt lange nicht mehr”, sagte Schavan. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt in Deutschland mit 9,5 Prozent weit unter dem EU-Durchschnitt. “Das deutsche duale Ausbildungssystem übernimmt zunehmend eine Vorbildfunktion in Europa”, betonte die Ministerin. “Nun geht es darum, alle Potenziale zu erschließen und neue Zielgruppen für die berufliche Bildung zu gewinnen”. Dies geschehe zum einen durch die präventive Bildungsketten-Initiative, bei der Schülerinnen und Schüler bereits ab der 7. Klasse individuell bis in die Ausbildung hinein gefördert werden. “Zum anderen gilt: Wir werden die Attraktivität des dualen Systems im Wettbewerb mit anderen Bildungsbereichen erhöhen”, erklärte Schavan. Dies werde künftig auch durch den Europäischen Qualifikationsrahmen geschehen, der für ganz Europa festlegt, welche Abschlüsse welchen Wert haben. “In den Zeugnissen wird dann klar sein, dass eine anspruchsvolle dreijährige Berufsausbildung auf der gleichen Stufe steht wie die Gymnasialausbildung. Dann ist Schwarz auf Weiß festgehalten, dass ein Abschluss als Mechatroniker genau so viel wert ist wie das Abitur”, so Schavan.

Für BIBB-Präsident Esser ist es darüber hinaus eine der wichtigsten Aufgaben der kommenden Jahre, das Aus- und Weiterbildungssystem in Deutschland “zukunftsfest zu machen”. “Die berufliche Bildung muss sich weiter entwickeln und auf seine vielfältigen Stärken setzen. Eines der vorrangigsten Ziele ist es, der beruflichen Bildung zu mehr Gleichwertigkeit, Anerkennung und Durchlässigkeit zu verhelfen”, betonte Esser. “Letztlich müssen wir allen Jugendlichen den Weg bis zu ihrer individuell höchstmöglichen Qualifikationsstufe ebnen.” Esser verwies in diesem Zusammenhang auf die zunehmende “Entsäulung” im Bildungssystem, die zu mehr Durchlässigkeit zwischen Schule, Berufsbildung und Hochschule führen werde.

Rund 1.200 Expertinnen und Experten der beruflichen Bildung treffen sich am 19. und 20. September aus Anlass des 6. BIBB-Berufsbildungskongresses in Berlin. Unter dem Motto “Kompetenzen entwickeln – Chancen eröffnen” diskutieren sie aktuelle Fragestellungen und Perspektiven der beruflichen Bildung aus nationalem und internationalem Blickwinkel.

Die Ergebnisse des Kongresses werden demnächst im Internetangebot des BIBB unter http://www.bibb.de/berufsbildungskongress dokumentiert.

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Berufe-Checker auf handwerk.de

Donnerstag 8. September 2011 von mschuette

Simon Gosejohann

Damit Jugendliche ihren handwerklichen Traumberuf finden, können sie jetzt den Berufe-Checker auf www.handwerk.de nutzen. Mit über 130 Ausbildungsberufen bietet das Handwerk so viele berufliche Möglichkeiten, wie kaum ein anderer Wirtschaftsbereich. Egal ob technisches Know-how oder kreative Kunstfertigkeit – der Online-Berufe-Checker  ermöglicht Jugendlichen, genau den Beruf zu finden, der ihren Talenten und Interessen entspricht.
Der Berufe-Checker auf www.handwerk.de hilft, auf spielerische Art und Weise handwerkliche Berufe kennen zu lernen und dabei den Traumberuf zu finden.
Über eine 3-D-animierte und intuitiv zu bedienende Benutzeroberfläche können Nutzer des Berufe-Checkers in fünf Kategorien ihre persönlichen Talente und Vorlieben für den späteren Beruf angeben. Der Berufe-Checker liefert dazu jeweils eine Auswahl an Berufen, die am besten zu den gemachten Angaben passen.
Auch Simon Gosejohann, das Gesicht der Imagekampagne des deutschen Handwerks, hat den Berufe-Checker einem ersten Praxistest unterzogen und erklärt in einem Tutorial, wie man mit dem Online-Tool den passenden Handwerksberuf für sich entdeckt.

Außerdem sind auf der Seite die zehn Kurzfilme mit Simon, der „linken Hand des Handwerks“, zu sehen. In den Filmen besucht Simon Gosejohann Handwerksbetriebe und versucht sich dort als Profi auf Probe.

www.handwerk.de

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Fünf auf einen Streich: Neue Medienberufe für eine digitalisierte Arbeitswelt

Montag 30. Mai 2011 von mschuette

Medientechnologe Druck: Ein Auszubildender erlernt die Einstellung der Druckmaschine

Die Arbeitsabläufe in der Druck- und Medienbranche werden immer komplexer, die Verzahnung von Print- und elektronischen Medien, die Digitalisierung und neue Steuerungs- und Regeltechniken haben die meisten Produktionsprozesse massiv verändert. Gebraucht werden Technologen, die diese Prozesse steuern – und genau so heißen denn auch vier der fünf neugeordneten Ausbildungsberufe, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Auftrag der Bundesregierung und gemeinsam mit den Sozialpartnern und Vertretern der Länder erarbeitet hat. Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres am 1. August werden die Ausbildungsberufe “Medientechnologe/-technologin Druck”, “Medientechnologe/-technologin Siebdruck”, “Medientechnologe/-technologin Druckverarbeitung”, “Buchbinder/-in” und “Packmitteltechnologe/-technologin” in Kraft treten. Damit verfügt die Branche über moderne Berufe mit zeitgemäßen Ausbildungsinhalten und Bezeichnungen.

Für die künftigen “Medientechnologen und Medientechnologinnen Druck” (ehemals “Drucker/Druckerin”) werden neben dem Planen, Steuern und Regeln von Druckprozessen auch Kompetenzen aus den Bereichen Mechanik, Elektronik und Instandhaltung von Druckmaschinen immer bedeutender. Daher wurden diese Ausbildungsinhalte ausgeweitet. Eine Besonderheit der neuen Ausbildungsordnung ist die Möglichkeit der Zusatzqualifikation in einer weiteren Druckverfahrenstechnik. Dieses Angebot soll insbesondere leistungsstärkeren Jugendlichen einen zusätzlichen Anreiz bieten.

Neben den typischen Qualifikationen des Siebdrucks – wie zum Beispiel dem standardisierten Siebdruck, der Druckveredelung und -weiterverarbeitung sowie der Schneidplotttechnik (rechnergestützte Schneidetechnik) – können die künftigen “Medientechnologen und Medientechnologinnen Siebdruck” (ehemals “Siebdrucker/Siebdruckerin”) jetzt neu die Wahlqualifikation der Kundenberatung wählen. Für Auszubildende, die den Tampondruck (Verfahren zum Bedrucken von Kunststoffkörpern)  oder großformatigen Digitaldruck nicht im Rahmen ihrer regulären Ausbildungszeit gewählt haben, stehen diese als Zusatzqualifikation zur Verfügung.

Aus dem früheren Berufsbild des Buchbinders werden nun zwei Berufe:
In der handwerklichen Ausbildung  “Buchbinder und Buchbinderin” wird es künftig die Berufsprofile “Einzel- und Sonderfertigung” sowie “Maschinelle Fertigung” geben. Um qualifiziertes Fachpersonal, insbesondere mit Blick auf eine mögliche Unternehmensnachfolge, ausbilden zu können, wurden zudem Wahlqualifikationen geschaffen, die kaufmännische Inhalte wie Auftragsbearbeitung und unternehmerisches Handeln in die Ausbildung integrieren.

Neben dem handwerklichen Buchbinder wurde neu der Beruf “Medientechnologe und Medientechnologin Druckverarbeitung” geschaffen, um der zunehmenden Prozessorientierung und maschinengestützten Fertigung in der industriellen Druckverarbeitung Rechnung zu tragen. Gemeinsam mit dem Betrieb legen die Auszubildenden in diesem Bereich ihr Berufsprofil in der Zeitungs-, Akzidenz- (Erstellung von Prospekten, Broschüren, Visiten- und Eintrittskarten) oder Buchproduktion fest. Außerdem wurde hier die Qualifikation der Versandraumtechnik neu in die Ausbildung integriert, um komplexe logistische Prozesse zur Versendung von Zeitungen zu steuern.
Die strukturelle und inhaltliche Verwandtschaft beider Berufe ermöglicht einen gemeinsamen Berufsschulunterricht in weiten Teilen der Ausbildung.

Auch in der papierverarbeitenden Industrie gewinnt die Steuerungstechnik zunehmend an Bedeutung. Deshalb wird auch hier das Planen, Steuern und Überwachen von Produktionsprozessen mit Leitstandtechnologie in der Ausbildung künftig eine größere Rolle spielen. Die neue Ausbildung zum “Packmitteltechnologen”/zur “Packmitteltechnologin” (ehemals “Verpackungsmittelmechaniker/-in”) sieht bereits vor der Zwischenprüfung eine Spezialisierung in Richtung der Herstellungsprozesse des Ausbildungsbetriebes vor. So erfordert eine Ausbildung in der Wellpappenindustrie mehr Zeit für Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten als in der Faltschachtelindustrie, die insbesondere auf die Entwicklung und Gestaltung von Packmitteln Wert legt.

Weitere Informationen im Internetangebot des BIBB unter www.bibb.de/neue-berufe-2011

Ansprechpartnerinnen im BIBB:

Quelle: www.bibb.de

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Azubi-Auslandspraktika im Aufwind

Mittwoch 27. April 2011 von mschuette

Immer mehr Unternehmen in Deutschland wollen ihren Azubis Auslandserfahrungen ermöglichen. So haben 2010 allein rund 1500 junge Menschen mit Unterstützung der Mobilitätsberaterinnen und -berater der Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland absolviert. Im Gegenzug erhielten 500 Auszubildende und junge Fachkräfte aus dem europäischen Ausland Einblicke in Unternehmen in Deutschland. Das ergibt  eine erste Auswertung des Programms “Berufsbildung ohne Grenzen”, einer gemeinsamen Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), mit der  bundesweit Mobilitätsberaterinnen und -berater bei den Kammern finanziert werden.

Besonders mit Blick auf die Fachkräftesicherung sind Auslandsaufenthalte für Unternehmen eine gute Investition in den eigenen Nachwuchs. Vor allem mittelständische Betriebe nutzen deshalb zunehmend die Chance, ihren Auszubildenden ein Auslandspraktikum zu ermöglichen. Sie positionieren sich so als attraktiver Arbeitgeber und als innovatives Ausbildungsunternehmen.

Unter der Adresse www.mobilitaetscoach.de erhalten Unternehmen und Auszubildende erste Informationen über die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Auslandsaufenthalten. Neben Checklisten, Musterverträgen und nützlichen Links bietet die Internetseite auch Kontakt zu den Beraterinnen und Beratern der beteiligten Kammern.

Das Mobilitätsberatungsprogramm “Berufsbildung ohne Grenzen” wird gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

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Kentzler: „Gleichwertigkeit beruflicher Qualifikation stärker betonen!“

Mittwoch 6. April 2011 von mschuette

Zur Vorstellung des Berufsbildungsberichts 2011 durch die Bundesregierung erklärt Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH):

„Die Sicherung des Fachkräftebedarfs stellt für das Handwerk eine wachsende Herausforderung dar. Hauptgrund sind die weiter rückläufigen Abgängerzahlen bei Haupt- und  Realschülern.  Das Handwerk unterstützt daher das Ziel des Ausbildungspaktes, möglichst alle Potentiale für den Ausbildungsmarkt zu erschließen. Dabei haben wir Schulabgänger mit Migrationshintergrund genauso im Blick, wie leistungsschwache Jugendliche, die bei ihrem Übergang von der allgemeinbildenden Schule in die duale Ausbildung besondere Unterstützung brauchen.

Verstärkt rücken aber auch leistungsstarke Schulabsolventen wie Abiturienten in den Fokus des Handwerks. Die innovativen, attraktiven und zukunftsträchtigen Berufe des Handwerks gewinnen hier an Attraktivität. Von Seiten der Politik erwarten wir weitere Verbesserungen bei der Durchlässigkeit im Bildungssystem. Auch muss die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Qualifikation stärker betont werden. Entscheidende Impulse kann hier die Entwicklung eines bildungsbereichsübergreifenden Deutschen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen setzen.“

Quelle: http://www.zdh.de/

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Verzahnung von Handwerk und Wissenschaft wird wichtiger

Montag 21. Februar 2011 von mschuette

Das Handwerk ist für alle Bewerber offen, die eine Ausbildung machen wollen und an einem Handwerksberuf interessiert sind – ob Hauptschüler oder Abiturient. Das betont Handwerkspräsident Otto Kentzler in einem Interview mit der WAZ (18. Februar 2011). Kentzler ermuntert Handwerksmeister die neuen Zugangsmöglichkeiten zu den Hochschulen zu nutzen: “Die Verzahnung von Handwerk und Wissenschaft wird wichtiger, da die Industrie auch Forschung und Entwicklung auslagert.”

Herr Kentzler, das Handwerk hinkt beim Wachstum im Vergleich zu anderen Branchen etwas hinterher. Warum?

Otto Kentzler: Weil der Winter Ende 2010 sechs Wochen lang zugeschlagen hat. Im Baugewerbe war Funkstille. Das zieht die Handwerkskonjunktur insgesamt nach unten. Die Auftragslage ist aber gut, es geht deutlich aufwärts. Im Vergleich zu anderen Bereichen ist das Handwerk in der Krise auch nicht so in die Knie gegangen, wir waren ein stabilisierender Faktor.

Wie groß sind die Chancen für junge Menschen, im Handwerk einen Ausbildungsplatz zu bekommen?

Kentzler: Die Chancen stehen sehr gut, denn das Angebot an Lehrstellen wächst im Handwerk im Aufschwung weiter. Im vergangenen Jahr blieb die Zahl der neuen Ausbildungsverträge stabil. Dazu hat vor allem Nordrhein-Westfalen beigetragen mit einem Plus, im Kammerbezirk Dortmund lag der Zuwachs bei der betrieblichen Ausbildung sogar über 7 Prozent. Im Osten  haben die Betriebe dagegen zu wenig Bewerber, da immer weniger Jugendliche die Schule verlassen.

Im Jahr 2010 blieben zwischen 7000 und 10.000 Ausbildungsstellen im Handwerk unbesetzt. Ist das Handwerk unattraktiv oder sind die jungen Menschen zu schlecht vorbereitet?

Kentzler: Die Zahl der Schulabgänger wird im Osten weiter sinken, im Westen beginnt der Trend in zwei, drei Jahren. Wir haben also vor allem ein demografisches Problem. Der Wettbewerb um den Nachwuchs hat begonnen. Unsere Linie im Handwerk ist klar: Wir sind für alle Bewerber offen, die eine Ausbildung machen wollen und an einem Handwerksberuf interessiert sind. Dabei nehmen wir durchaus auch die Bewerber mit schwachen Zeugnissen mit. Viele blühen in der Ausbildung erst auf. Auf dem Weg hin zur Gesellenprüfung leisten die Betriebe ja auch Unterstützung, etwa durch Nachhilfe.

Der Abi-Doppeljahrgang könnte ihnen Nachwuchsprobleme vom Hals schaffen.

Kentzler: Da erwarten wir schon einen Schub, das gilt auch für den Wegfall der Wehrpflicht. Wir werben um mehr Abiturienten, machen deutlich, welche Karrierechancen das Handwerk bietet. Aber auch ein Hauptschüler kann bei uns durchstarten: Nicht umsonst haben wir durchgesetzt, dass Handwerksmeister Zugang zu den Hochschulen erhalten. In den nächsten drei Jahren wollen wir erreichen, dass fünf Prozent der Meister die neue Chance zum Studium und damit Weiterqualifizierung auch nutzen. Die Verzahnung von Handwerk und Wissenschaft wird immer wichtiger, da die Industrie auch Forschung und Entwicklung an die Zulieferbetriebe auslagert.

Von den Jungen zu den Alten. Was halten sie von der Rente mit 67?

Kentzler: Wir müssen die Betrachtung umdrehen, nicht von Rente mit 67 reden, sondern von Arbeit bis 67. Die Gewerkschaften sperren sich noch. Aber hier müssen alle gesellschaftlichen Kräfte mitarbeiten, weil der Generationenvertrag sonst nicht funktioniert. Die Rente ist ja nicht die private Spardose eines jeden.

Also müssen Handwerker doch mit 67 auf die Leiter oder schwere Eimer schleppen.

Kentzler: Es geht um Personalmanagement. Betriebe und unsere Handwerksorganisationen vor Ort müssen vor allem Ideen entwickeln und durchsetzen, damit Arbeit bis 67 für jeden nach seiner Leistungsfähigkeit möglich ist. Ältere Mitarbeiter müssen beispielsweise rechtzeitig qualifiziert werden, damit sie in körperlich weniger anstrengenden Bereichen eingesetzt werden können. Etwa im Einkauf oder bei der Bewertung von Gebäuden.

Die Wegwerfgesellschaft, so heißt es, sei auf dem Rückzug. Ihre Erfahrungen?

Kentzler: Ich kann bestätigen, dass es eine Rückbesinnung auf echte Werte gibt. Die Menschen investieren wieder in die eigenen vier Wände, statt in risikoreiche Bankpapiere. Klassische Handwerksberufe leben auf, auch weil die Menschen individuelle statt uniformer Produkte wünschen. Der Schuhmacher oder die Hutmacherin zum Beispiel. Andere Berufe wie etwa der Orthopädieschuhmacher oder Hörgeräteakustiker boomen, weil die älter werdenden Menschen sie brauchen.

Interview: Thomas Wels und Kai Wiedermann

Quelle: www.zdh.de

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Handwerk muss seine Fachkräfte selbst ausbilden

Montag 14. Februar 2011 von mschuette

Die duale Ausbildung im Handwerk hat weltweit einen herausragenden Ruf. Diese Botschaft soll auch bei unserer Jugend ankommen – mit Hilfe der Imagekampagne. Denn das deutsche Handwerk muss seine Fachkräfte selbst ausbilden: “Ins Ausland zu schielen, macht wenig Sinn”, so Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), in einem Beitrag für die Fachzeitschrift “IKZ-Haustechnik” (1. Februar 2011) zum Thema: “Gibt es einen Fachkräftemangel im Handwerk?”.

In vielen Handwerksberufen gibt es seit Jahren bereits Nachwuchsmangel – bei den Bäckern beispielsweise oder den Gebäudereinigern. Probleme haben auch High-Tech-Betriebe, die auf Schulabgänger mit guten Noten in Mathematik oder Physik angewiesen sind. Seit 2009 schauen sich aber auch Betriebe um, die bisher die große Auswahl hatten. Kfz-Betriebe oder Tischler, sogar Friseure. Tausende Lehrstellen bleiben unbesetzt, weil vor allem im Osten des Landes die Zahl der Schulabgänger rapide zurückgeht. Im Westen steht diese Entwicklung bevor.

Wenn aber der Nachwuchs fehlt, steht im Handwerk der Fachkräftemangel bereits vor der Tür. Denn wenn das Handwerk seine Wettbewerbsfähigkeit erhalten will, muss es die benötigten Fachkräfte in aller Regel selbst ausbilden. Ins Ausland zu schielen, macht wenig Sinn.

Die Betriebe im Handwerk sind sich bewusst, dass die Fachkräftesicherung die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre ist. Darauf gibt es einige Antworten: Qualifizierung des aktuellen Personals, Verbesserung der Arbeitsbedingungen für ältere Mitarbeiter oder mehr flexible, familienfreundliche Regelungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schaffen. Die wichtigste Antwort ist jedoch, alles daran zu setzen, auch in Zukunft eine ausreichende Anzahl junger Menschen in Handwerksberufen auszubilden.

Dazu stellt das Handwerk öffentlich heraus, dass es Chancen für alle Jugendlichen bietet. Abiturienten – für Führungspositionen, aber auch für den immer wichtiger werdenden Bereich Forschung und Entwicklung. Haupt- und Realschüler – denn Ausbildung und weiterführende Qualifikationen bieten die Chance zur schnellen Karriere mit Lehre. Praktisch orientierte, aber theorieschwächere Schüler – denn durch die Erfolge in der handwerklichen Ausbildung werden sie motiviert und meistern den Abschluss.

Unsere beste Werbung ist die außerordentliche Ausbildungsleistung. Jeder 10. Mitarbeiter ist im Handwerk ein Lehrling. Das ist Spitze in der deutschen Wirtschaft. Eine duale Ausbildung im Handwerk gilt weltweit als “best practice”. Damit diese Botschaft auch bei der Jugend ankommt, hat das deutsche Handwerk eine Imagekampagne begonnen. Hier wird deutlich gemacht, wie aktuell und zukunftsorientiert die Ausbildung im Handwerk ist. Flotte Sprüche wie “Mit 18 baust du noch Scheiße, mit 20 Hochseejachten” machen deutlich, dass die handwerkliche Ausbildung der Schlüssel zum schnellen Erfolg in interessanten Berufen ist.

Für die Fachkräftesicherung entscheidend ist es aber auch, dass Schulabgänger das notwendige Rüstzeug für eine berufliche Ausbildung mitbringen. PISA war ein heilsamer Schock für die Bildungspolitiker in Bund und Ländern. Doch um alle Potenziale zu heben, brauchen wir mehr frühkindliche Bildung und Sprachförderung, mehr individuelle Hilfestellung in der Schule, mehr Ganztagsschulen, eine fest im Lehrplan verankerte Berufsorientierung. Wir müssen die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen noch weiter stärken. Das Handwerk wird dafür vor allem im Lenkungsausschuss des Ausbildungspaktes kämpfen.

2011 wird es erstmals einen bundesweiten Tag des Handwerks am 3. September geben. Dieser Tag ist die Chance für alle im Handwerk, selbstbewusst auf die eigenen Leistungen und Produkte aufmerksam zu machen. Und nicht nur Kunden zu begeistern – sondern auch junge Menschen.

Quelle: http://www.zdh.de/presse/beitraege/handwerk-muss-seine-fachkraefte-selbst-ausbilden.html

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Duale Studiengänge immer beliebter

Freitag 11. Februar 2011 von mschuette

Die Beliebtheit dualer Studiengänge nimmt weiter zu: 2010 stieg das Angebot an dualen Studiengängen in Deutschland um 12,5 %. Die Steigerungsrate lag damit um mehr als das Dreifache höher als im Vorjahr. Auch die Zahl der beteiligten Unternehmen wuchs um rund 9 %, die der Studierenden nahm um mehr als 6 % zu. Dies sind Ergebnisse einer Auswertung der Datenbank “AusbildungPlus” des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Duale Studiengänge sind eine besonders innovative, attraktive und praxisnahe Studienform, die sich seit Jahren bei Betrieben und Jugendlichen einer wachsenden Beliebtheit erfreut. Dabei wird eine praktische Ausbildung im Betrieb mit einer theoretischen Ausbildung an einer (Fach-)Hochschule oder Berufsakademie kombiniert. Studierende erhalten so die Möglichkeit, in zahlreichen Studiengängen gleichzeitig zwei Abschlüsse zu erwerben: einen Berufs- und einen akademischen Abschluss.

Besonders deutliche Zuwächse sind vor allem in den Studiengängen der sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu verzeichnen. So erreichten zum Beispiel die allgemeinen Ingenieurwissenschaften mit einer Steigerung von 23,5 % der angebotenen dualen Studiengänge den höchsten Wert aller Fachbereiche. Ebenfalls deutlich über den durchschnittlichen Steigerungsraten liegen die Bereiche Elektrotechnik, Bauingenieurwesen und Maschinenbau/Verfahrenstechnik. Auch die Zahl der Studierenden in den MINT-Fächern erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Viertel. Unternehmen und Hochschulen reagieren mit ihrem verstärkten Angebot auf die zu erwartenden Engpässe in diesen Bereichen.

“AusbildungPlus” ist ein Projekt des BIBB, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. “Herzstück” ist eine Datenbank, die bundesweit über duale Studiengänge und Zusatzqualifikationen in der dualen Berufsausbildung informiert. Zurzeit enthält die Datenbank mehr als 900 duale Studiengänge und über 2.200 Zusatzqualifikationen. Interessierte Jugendliche können die Datenbank kostenlos nach passenden Angeboten durchsuchen. Anbieter – zum Beispiel Betriebe, (Fach-)Hochschulen oder Berufsakademien – können ihre Ausbildungs- und Studienangebote ebenfalls kostenlos veröffentlichen.

Weitere Informationen in “AusbildungPlus 2010 in Zahlen” unter www.ausbildungplus.de

Ansprechpartner:
Andrea Stertz und Jochen Goeser, E-Mail: kontakt@ausbildungplus.de

Quelle: http://www.bibb.de/de/57145.htm

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Handwerkspräsident Kentzler setzt Zeichen für Integration

Dienstag 18. Januar 2011 von mschuette

Das Handwerk will die Chancen der dualen Berufsausbildung bei Zuwanderern in Deutschland bekannter machen. “Gerade den Zuwanderungsfamilien, die unser System der Berufsausbildung aus dem Heimatland nicht kennen, müssen wir die Augen für die Karrierechancen öffnen”, forderte Handwerkspräsident Otto Kentzler auf einem “Integrationsforum” des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) in Berlin.

“Im Handwerk zählt nicht, wo man herkommt, sondern wo man hinwill!”, sendete Kentzler ein deutliches Signal für die Integration. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatministerin Prof. Maria Böhmer, und der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir, diskutierten auf dem ZDH-Forum mit Teilnehmern aus Politik, Handwerk, Migrantenorganisationen, Wirtschaft und Gesellschaft.

Das Handwerk wirbt nicht erst seit heute um Menschen mit Migrationshintergrund. Ein Drittel aller Jugendlichen mit einem ausländischen Pass lernt derzeit im Handwerk. 60.000 Unternehmer haben einen ausländischen Pass. Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund, die im Handwerk arbeiten, wird auf rund 20 Prozent geschätzt – fast eine Million. Nach den Debatten des vergangenen Jahres forderte Kentzler ein Jahr der Lösungen und des Fortschritts beim Thema Integration: “Wer sich engagiert, dem hat das Handwerk viel zu bieten: eine hochkarätige Ausbildung, hervorragende Chancen am Arbeitmarkt und ein enges persönliches Miteinander im Betrieb. Da gelingt auch die gesellschaftliche Integration.

Quelle: http://www.zdh.de/

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